Flüchtlinge, Guatemala, Honduras, Lateinamerika, USA

Der Exodus: Flucht aus Honduras

Seit Mitte Januar sind Tausende Menschen aus Honduras auf dem Weg in die USA. Sie wollen weg von Gewalt, Unterdrückung und Arbeitslosigkeit. Biden schürt ihre Hoffnungen. 

In den Fernsehnachrichten sind seit Tagen die Bilder der flüchtenden HonduranerInnen zu sehen. Junge Männer, die Taschen und Koffer schleppen, Mütter, die ihr Hab und Gut auf dem Rücken tragen, im linken Arm ein Kind, an der rechten Hand ein weiteres. 

Tagesschau: Guatemaltekische Sicherheitskräfte versuchen Flüchtlinge an Grenzübertritt nach Mexiko zu hindern

Warum flüchten die Menschen aus Honduras?

Die Gründe für die Flucht der HonduranerInnen sind zahlreich. Besonders die durch die Pandemie prekäre wirtschaftliche Lage und die kürzlichen Wirbelstürme trugen zu einer Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen bei.

Hinzu kommt die Gewalt, die den Alltag der HonduranerInnen prägt, denn vielerorts haben kriminelle Banden, die Maras, das Sagen. (7) Es gibt immer jemanden, der Verbindungen zu einer solchen Gruppe hat, die ihre Mitglieder schon im Kindesalter rekrutieren. Wer sich wehrt, muss in ständiger Angst leben. Selbst die Polizei traut sich nicht, etwas gegen sie zu unternehmen. Zu groß ist die Gewissheit, dass die Banden Rache üben werden. (6) 

Der Großteil der Menschen in Honduras hat mindestens einmal im Leben Gewalt erfahren. Dazu zählen vor allem Entführungen und Überfälle. Ursachen für die hohe Kriminalität sind Armut, keine oder geringe Bildung und Arbeitslosigkeit. Fast 17% der HonduranerInnen leben in extremer Armut, zwei Drittel unterhalb der nationalen Armutsgrenze (2014).(4) Da ist die Aussicht auf das schnelle Geld verführerisch, die Hemmschwelle für Gewalttaten sinkt.

Die USA mit ihrem American Dream, demzufolge es jeder vom Tellerwäscher zum Millionär bringen kann, wirken in dieser Situation wie das verheißene Land. Bilder von großen Autos und sattgrünen Vorstadtgärten finden ihren Weg auch über die Grenzen hinweg in die Fernseher nach Honduras. Ein weiteres Plus an Amerika: honduranische Banden gibt es in den USA nicht.

Der Januar ist der ideale Monat für die Flucht. Mit 20°C ist es der kälteste Monat des Landes. Und noch etwas macht den Monat dieses Jahr so attraktiv: ein neuer amerikanischer Präsident.

Sie sind nicht zu stoppen

Da rollte sie nun die Flüchtlingswelle aus Honduras auf ihrem Weg in die USA. 4.500 Geflüchtete sollen es gewesen sein, die am Freitag die Grenze von Guatemala nach Mexiko überschreiten wollten, später hätten sich nochmal so viele angeschlossen. (2) Die guatemaltekische Polizei an der Grenze El Florido (Guatemala), das beinah letzte Bollwerk der USA, war dem nicht gewachsen und ließ inzwischen rund 9.000 von ihnen passieren, auch weil viele Familien mit Kindern dabei gewesen waren. Wegen eines Abkommens mit den USA müssten Flüchtlinge eigentlich in Guatemala Asyl beantragen. (2)

Für 1.300 Flüchtlinge endete die Reise allerdings dort. Sie wurden zurückgeschickt bzw. an die Behörden ausgeliefert. (2) 

Die letzte Station auf ihrer Flucht erwartet die Glücklichen schließlich in Mexiko. Dort, wo die meisten lateinamerikanischen Flüchtlinge in Lagern stranden oder von Menschenschleppern aufgegriffen werden. Trumps persönlicher American Dream, die Mauer zu Mexiko, hat es nur zum Zaun gebracht und den kann man leicht zerschneiden. Ein wirkliches Hindernis ist er jedenfalls nicht. (5) Das wahre Problem hingegen sind die Sicherheitskräfte an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Eigentlich sin es rund 6.500 (7), die dort patrouillieren, nun wurden Hunderte von ihnen an die Grenze zu Guatemala verlegt. 

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador hatte einst versprochen, sich um alle zu kümmern, die wegen einer Notlage ihr Land verlassen mussten. Dann drohte Trump mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent auf Warenimporte und der mexikanische Präsident erinnerte sich plötzlich nicht mehr an sein Versprechen. (7) 

Was erwartet sie in den USA?

Seit dem 11. Januar wurde das Asylrecht durch Donald Trump verschärft: (7)

  • Asylanträge von Menschen, die illegal in die USA einreisen, sollen abgelehnt werden
  • wer mit falschen Dokumenten einreist, soll für möglichen Sozialleistungen gesperrt werden
  • auch wer durch andere Länder gereist ist und dort kein Asyl beantragt hat, soll keine möglichen Sozialleistungen erhalten

Unter Joe Biden, der am 20.01.2021 sein Amt antreten wird, verändert sich die Lage wohlmöglich. Das zumindest hatte er im Wahlkampf versprochen. So wolle er die restriktive Flüchtlingspolitik seines Vorgängers rückgängig machen, Asylverfahren beschleunigen und mehr AntragstellerInnen vorläufiges Aufenthaltsrecht gewähren. (1)

Es bleibt abzuwarten, ob Biden seine Versprechen hält und wie die Flucht für die HonduranerInnen ausgeht. 

Quellen

(1) https://www.tagesschau.de/ausland/honduras-guatemala-101.html (aufgerufen am 19.01.2021, 13:58)

(2) https://www.tagesschau.de/ausland/honduras-guatemala-karawane-101.html (aufgerufen am 19.01.2021, 14:02)

(3) Auswärtiges Amt  (aufgerufen am 19.01.2021, 14:15)

(4) BMZ  (aufgerufen am 19.01.2021, 14:22)

(5) https://www.tagesschau.de/ausland/mexiko-usa-grenze-migranten-101.html (aufgerufen am 19.01.2021, 14:27)

(6) https://www.nph-kinderhilfe.org/news/newsdetail/gewalt-praegt-den-alltag-von-kindern-in-honduras (aufgerufen am 19.01.2021, 14:35)

(7) https://www.deutschlandfunk.de/migrationspolitik-der-deal-der-den-usa-die-migranten.724.de.html?dram:article_id=458315 (aufgerufen am 19.01.2021, 14:49)

 

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.