Italien, Mafia

Der Pate von nebenan

Grimmig dreinblickende Männer mit Sonnenbrillen in dunklen Anzügen unter Zitronenbäumen sowie der Ehrenkodex „Treue bis in den Tod“. Das assoziieren viele mit der Mafia. Dass es sich dabei um eine romantische Verklärung handelt, beweisen die überraschenden Razzien, die in den Tagen um den 4. und 5. Dezember in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Italien und Spanien durchgeführt wurden. 

Mafia ist nicht gleich Mafia

Für Viele ist die Mafia die kriminelle Organisation aus Süditalien, die Kritiker einbetoniert oder sie in Flüssen oder Teppichen verschwinden lässt. Der Begriff Mafia beschreibt jedoch allgemein alle kriminellen Organisationen und schließt damit auch die albanische, russische oder japanische Mafia mit ein. In Italien wird der Begriff auch teilweise ausschließlich für die sizilianische Mafia, die Cosa Nostra, verwendet. Tatsächlich gibt es vier große Mafia-„familien“ in Italien. Das sind die Cosa Nostra aus Sizilien, die Camorra aus Kampanien, die Sacra Unita aus Apulien und eben die ‚Ndrangheta aus Kalabrien. Diese gliedern sich in viele Unterorganisationen mit ihren Clans bzw. Familien. Die ‚Ndrangheta gilt im Hinblick auf ihre Mitgliederzahlen als die größte der italienischen Mafien. 

Mafia-Wars

Dass die italienische Mafia auch außerhalb Italiens agiert – und zwar nicht nur in den USA – wurde der Öffentlichkeit erstmals durch die sogenannten Mafia-Wars in Duisburg klar. Dort hatten sich die Clans Strangio-Nirta und Pelle-Romeo 2007 bekriegt. Bei einem der Angriffe vor einem Restaurant wurden damals sechs Männer erschossen. Die jetzigen Razzien hatten genau diese Clans im Blick.

Die ‚Ndrangheta in Deutschland

In Deutschland lebt es sich gut als Mafioso. Das Land gilt als Ruhe- und Aktionsraum, weil die kriminelle Vereinigung dort relativ unbehelligt agieren und sich zurückziehen kann. Der italienische Autor und Journalist Roberto Saviano nannte Deutschland einst „das Eldorado“ für Mafiosi, während die italienischen Fahnder die laschen Anti-Mafia-Gesetze in Deutschland kritisieren. Anders als in Italien ist es hierzulande nicht möglich, Telefongespräche schon deshalb mitzuhören, wenn es sich um den Anschluss eines Mafia-Mitglieds handelt. Und das obwohl dem Bundeskriminalamt (BKA) mehr als 570 Mafiosi namentlich bekannt sind und damit beinahe so viele wie islamistische Gefährder. 
Die ‚Ndrangheta hatte sich in den 70er Jahren in Deutschland niedergelassen und ihr Netzwerk dort ausgebaut. Ihr folgten die Cosa Nostra und in den 80ern auch die Camorra.

Drogenhandel und Geldwäsche sind das Hauptgeschäft

Der Jahresumsatz im Kokainhandel betrage zirka 50 Millarden Euro, schreibt der Spiegel und bezieht sich dabei auf italienische Schätzungen. Die Drogen werden in Lateinamerika hergestellt und dann auf die europäischen Häfen wie Genua, Bremerhaven, Rotterdam verteilt.

Das ganze Geld muss dann natürlich schnell investiert werden: in Immobilien, Restaurants, Hotels, Eisdielen. Teilweise zwingen sie die Betreiber dann, kalabrische Produkte zu kaufen und zu verarbeiten.

Quelle: Youtube.

Der erste Schritt beim Kampf gegen die Mafia

Der Schlag gegen die Mafia ist einer Kooperation verschiedener Länder wie Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien unter der Leitung der europäischen Justizbehörder Eurojust zu verdanken. Dabei wurden allein in Deutschland  14 Personen festgenommen (laut Spiegelangaben, die Sueddeutsche schreibt von 15), 23 Objekte durchsucht und gegen 47 Personen wird ermittelt. Haupteinsatzort in Deutschland war Nordrhein-Westfalen, wo die ‚Ndrangheta besonders aktiv sein soll. Doch der Erfolg hielte sich in Grenzen. Man müsse noch Tausende festnehmen und Milliarden beschlagnahmt werden ehe man die ‚Ndrangheta wirklich träfe, zitierte der Spiegel den Anti-Mafia-Anwalt Federico Cafiero De Raho.

Die Mafia infiltriert deutsche Behörden

Ermittlungen wurden auch gegen Polizisten, eine Regierungsbeschäftigte der Polizei sowie Mitarbeiterinnen der Stadt Wesseling und Duisburg eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, vertrauliche Informationen an Angehörige der Mafia verraten zu haben.

 

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Quellen:

  • https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/beamte-sollen-dienstgeheimnisse-an-mafia-verraten-haben-15928056.html
  • http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mafia-festnahmen-und-beschlagnahmungen-bei-internationaler-razzia-a-1242101.html
  • http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mafia-grosseinsatz-gegen-organisierte-kriminalitaet-in-nrw-a-1241950.html
  • http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mafia-festnahmen-und-beschlagnahmungen-bei-internationaler-razzia-a-1242101.html
  • http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mafia-in-deutschland-wie-maechtig-ist-die-ndrangheta-a-1242023.html
  • https://www.sueddeutsche.de/panorama/mafia-ndrangheta-italien-1.4240269
  • https://www.sueddeutsche.de/panorama/mafia-deutschland-ndrangheta-1.4241056

 

 

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