Italien, Mafia

„Die Mafia ist ein Riesenhaufen Scheiße“ (Peppino Impastato)

Heute, am 05. Januar vor 73 Jahren, wurde Giuseppe „Peppino“ Impastato in Sizilien geboren. Eine Hommage an einen, der die Mafia mit Humor bekämpfte und es mit dem Leben bezahlte.

Paolo Borsellino, Giovanni Falcone und Peppino Impastato: Das sind Namen, die in Sizilien, wenn nicht sogar in ganz Italien, jedes Kind kennt. Ihre Methoden waren verschieden, aber sie alle hatten das Ziel, die Mafia zu besiegen. Und sie teilten auch dasselbe Ende. 

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Böses zu tun ist keine Veranlagung

Eigentlich hätte Peppino selbst Mafioso werden sollen. Sein Vater war einer, auch sein Onkel war mit der Mafia verbandelt und der Schwager seines Vaters war sogar ein sogenannter Boss. Zumindest bis er durch eine Bombe ums Leben kam. 

Doch Peppino entschied sich anders.

Als Jugendlicher kam es zum Streit mit dem Vater, der ihn daraufhin aus dem Haus warf. Der junge Mann gründete eine eigene Zeitung, die Idea Socialista [dt. die sozialistische Idee] und engagierte sich politisch für die Linke, wobei er unter anderem Proteste gegen den Bau des Flughafens organisierte, bei dem die Bauern enteignet werden sollten. Das passte der Mafia gar nicht, die an dem Flughafenbau verdienen will. 

Peppino traut sich, was noch niemand vor ihm gewagt hat

1976 rief er schließlich Radio Aut ins Leben, einen Privatsender, mit dem er öffentlich die Verbrechen der Mafia anklagte. Und zwar nicht nebulös, versteckt hinter Metaphern, sondern explizit. Ein Novum! Er outet den Gaetano Badalamenti als Mafiaboss und deckt dessen Verstrickungen mit den lokalen Behörden auf. In seiner beliebten Radiosendung Onda pazza [dt. die Verrückte Welle] nimmt Peppino regelmäßig Mafiosi und Politiker aufs Korn. 

Peppino hätte klar sein müssen, dass die Mafia keinen Spaß versteht und das nicht lange gut gehen würde. Allerdings konnten ihn selbst Einschüchterungsversuche nicht aufhalten. 1978 lässt er sich für die Democrazia Proletana bei den Kommunalwahlen aufstellen, dessen Ausgang er nicht mehr erlebt. Im Mai wurde er ermordet, eine Ladung Sprengstoff um seinen Körper gebunden und auf die Gleise gelegt. 

In den Gemeinderat wurde er dennoch gewählt. 

Polizeiversagen oder System?

Dass Peppino ein Opfer der Mafia geworden ist, glaubten Presse und Behörden zunächst nicht. Es war von einem missglückten Terroranschlag die Rede. Es waren die späten Jahre des linken Terrors [Anni di piombo] in Italien. Da war es ein Leichtes, solche Schlüsse zu ziehen. Später, als man einen Brief Peppinos fand, hieß es, er habe Selbstmord begangen. 

Doch Bruder und Mutter, die sich von der mafiösen Verwandtschaft lossagten, begannen gemeinsam mit Anhängern Peppinos und dem Centro siciliano di documentazione [dt. Sizilianisches Dokumentationszentrum gegen die Mafia] einen jahrzehntelangen Kampf zur Aufklärung des Verbrechens und sorgten dafür, dass die Verhandlung gegen die Täter immer wieder aufgerollt wurde. Trotz aller Widerstände.

Peppinos Mutter, Felicia, outete in ihrem Buch La mafia in casa mia [dt. Die Mafia in meinem Haus –> hier kaufen] ausdrücklich Badalamenti als Drahtzieher der Ermordung ihres Sohnes. 

An einem vom Centro siciliano di documentazione organisierten Protest zum ersten Jahrestag von Peppinos Tod nahmen 2.000 Menschen aus ganz Italien teil. 

Dennoch ging die gerichtliche Aufklärung des Verbrechens schleppend voran. Immer wieder wurden Anträge abgelehnt, Familie und Freunden Steine in den Weg gelegt. 

Erst 2002 und nach vielen neu aufgerollten und wieder begrabenen Gerichtsverhandlungen wurde Gaetano Badalamenti schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei Jahre zuvor wurde auch eine Untersuchung zur Beteiligung der Behörden, unter anderem der Carabinieri, gebilligt. 

 

Mafia ist gleich Mafia? Von wegen! Mehr über die Unterschiede und Ursprünge der Mafia in diesem Blogartikel: Übersicht: Die italienische Mafia

Wer mehr über die Mafia in Italien und den Kampf gegen eben diese erfahren möchte, dem sei ein Besuch im Centro Siciliano di Documentazione „Giuseppe Impastato“ in Palermo angeraten. Der Eintritt ist kostenlos, aber über eine Spende freut man sich natürlich. 

„La mafia è una montagna di merda.“ (Peppino Impastato) 

 

Quellen:

  • https://www.centroimpastato.com/giuseppe-impastato-seine-aktivitat-das-verbrechen-die-ermittlungen-und-deren-irrefuhrung/
  • https://tg24.sky.it/cronaca/approfondimenti/peppino-impastato-morte
  • https://biografia.online/peppino-impastato/

 

 

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