Frauen, Lateinamerika, Mexiko

Mexiko: Wo Frauen einfach verschwinden

Acapulco ist Mexikos gefährlichste Stadt für Frauen.

 

Mexiko. Zahlen sprechen für sich und die Zahlen, die die Organisation der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen, die Nichtregierungsorganisation Idheas, die Sistema Nacional de Seguridad Pública (SNSP) und das Nationale Institut für Statistik und Geografie (INEGI) veröffentlicht haben, zeichnen allesamt ein erschreckendes Bild. Demzufolge sind 66 Prozent aller Frauen in Mexiko bereits ein Mal in ihrem Leben Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt geworden. Weniger als ein Prozent hat Anzeige gegen die Täter erstattet. Im Bundesstaat Guerrero wurden bis Oktober diesen Jahres 200 Frauen ermordet, 160 davon allein in Acapulco de Juaréz. Die Stadt verzeichnet 24 Morde an Frauen pro 100.000 Einwohner und liegt damit 5,5 Mal über der landesweiten Mordrate.

Ein Gesicht, viele Geschichten

Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte der Fall der Lehrerin und Mutter Itzel V, die im Oktober des Jahres verschwunden war. Ihre Leiche wurde unweit des Ortes ihres Verschwindens gefunden. Angehörige unterstellen der Polizei unseriöse Arbeit.
Kurz zuvor erst war die Ärztin Reyna V. auf offener Straße erschossen worden.
Fälle wie diese stehen repräsentativ für all die Frauen, die in Mexiko ermordet werden und deren Ermordungen ungesühnt bleiben. Laut dem Sistema Nacional de Seguridad Pública (SNSP) des mexikanischen Innenministeriums sterben pro Tag zwei Frauen in Mexiko. Die Täter werden nur selten gefasst.

Schleppende Verbrechensaufklärung

Warum so wenige Täter zu Rechenschaft gezogen werden, hat unterschiedliche Ursachen.
Einerseits trauen sich viele Frauen nicht, die Täter bzw. das Verbrechen anzuzeigen. Gründe hierfür sind Drohungen, Schamgefühl und das fehlende Vertrauen in die Justiz.
2015 wurde das erste Alarm- und Schutzsystem gegen das sogenannte „Verschwindenlassen“ von Frauen eingeführt. Demzufolge müssen Behörden verschiedene Protokolle abarbeiten. Es ist allerdings nicht präventiv gedacht. Außerdem findet es nur in elf Verwaltungsbezirken in Mexiko-Stadt Anwendung.
Die Nichtregierungsorganisation Idheas schlägt vor, „Verschwindenlassen“ als Straftatbestand in die Verfassung jedes Bundesstaates aufzunehmen. Ein Register der Fälle könnte außerdem Zahlen und Informationen liefern, die der Prävention dienten.

Die Täter kommen aus allen sozialen Gruppen

Der Umfrage des Nationalen Instituts für Statistik und Geografie (INEGI) zufolge stammen die Täter von Gewalt gegen Frauen aus allen denkbaren Gesellschaftsschichten.
43,9 Prozent der mexikanischen Frauen erlebten der Umfrage zufolge mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch ihren Partner.
Doch auch in der Öffentlichkeit sowie in den öffentlichen Verkehrsmitteln käme es häufig zu Übergriffen.
Mehr als ein Viertel (26,6 Prozent) hätten außerdem bereits Belästigungen, Diskriminierungen und Demütigungen am Arbeitsplatz ertragen müssen. Bei 35,2 Prozent handele es sich bei den Tätern um Kollegen, bei 19,3 Prozent um Vorgesetzte.
An Schulen würden 25,4 Prozent der Frauen Opfer durch die physische und sexuelle Misshandlung von Kommilitonen und Lehrern.

Trotz Verbesserungsvorschlägen und national eingeführten Schutzmechanismen nimmt die Gewalt an Frauen weiter zu. Die Täter bleiben noch immer unbestraft.

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