Frauen, Guatemala, Lateinamerika

Mucho machos

Alleinerziehende Mütter, die versuchen ihre Kinder zu ernähren, die von den Eltern früh verheiratet und von den Ehemännern im Stich gelassen werden. Stets sind sie Spielball der anderen und selten gehören sie sich selbst. 

Das Internet ist voll von den tragischen Geschichten der Frauen Guatemalas. Guatemaltekische Familien – die wenigen, auf die das Vermögen des Landes fällt, mal ausgenommen – sind arm. Eine Armut, die wir uns nicht vorstellen können: Häuser aus Bretterverschlägen und ausgemergelte Kinder mit großen Augen. Der Kreislauf der Armut ist mehr ein Sog, der die Kinder in die Tiefe zieht. Arme Familien (er)zeugen arme Kinder. Schlimmer noch steht es um Familien mit Töchtern. 

Töchter sind teuer oder können es werden. Sie könnten Opfer von Missbrauch werden oder zu früh schwanger, arbeiten können und dürfen sie nicht wie die Söhne. Deshalb verheiratet man sie früh. Dann sind sie in Sicherheit, so glaubt man, und fallen den Eltern nicht mehr zur Last. (1)

Dass die Realität anders aussieht, zeigt sich an einem 13-jährigen Mädchen, von dem Terre des femmes berichtet. (1) Mit 13 wurde sie schwanger. Mit dem Vater des Kindes war sie da bereits verheiratet. Als ihr Sohn zur Welt kam, hat der Vater sie längst verlassen. Sie sei ihm untreu gewesen, das Kind nicht seins. Eine allzu leichte Ausrede. Geld hatte die 13-jährige Mutter keins, eine finanzielle Absicherung gab es nicht, die Ausbildung hatte sie wegen ihrer Heirat abgebrochen.

Die Opfer

Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt – Gewalt aufgrund des Geschlechts – können Hausangestellte sein, Ehefrauen, Studentinnen oder Prostituierte. Häufig sind es nicht Aktivistinnen und Akademikerinnen, sondern Frauen aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Frauen, die niemand vermisst. (1)

María Isabel Veliz Franco war so ein Mädchen. 2001 war sie als 15-Jährige in Guatemala-City entführt worden. Was geschah, ist bis heute nicht aufgeklärt, woran auch die Kritik durch das Inter-Amerikanische Gericht für Menschenrechte nichts änderte. Ihre Leichnam erzählte die Geschichte ihres Leidens: Sie war an Armen und Beinen mit Stacheldraht gefesselt worden, ihr Gesicht durch Schläge nicht wiederzuerkennen gewesen, ihre Fingernägel umgebogen, ein Strick war um ihren Hals gelegt worden, an dem sich auch Würgemale befanden. (2)

María Isabel Veliz Franco. Fotografin: Laura Asturias (2)

 

Die Täter

Sind Ehemänner, Väter, Vorgesetzte, Freier und Polizisten. Ein Drittel der Morde geschehen innerhalb der Familie. Meist kommen die Täter ungeschoren davon. Ein Frauenleben zählt wenig in Guatemala. Vielleicht werden deshalb 98% der Fälle nicht aufgeklärt?

Wenn die Leichen wieder auftauchen, weisen sie häufig Spuren extremer Folter und Vergewaltigung auf. Manchmal finden sich darauf sexistische Parolen eingraviert. So wie bei der Ermordung von zwölf Sexarbeiterinnen im Jahr 2001. „Tod allen Huren“ war auf ihren Körpern zu lesen gewesen. (3)

Was tut sich gesellschaftlich und politisch?

Die guatemaltekische Gesellschaft ist nach wie vor sehr patriarchalisch geprägt, was umso mehr für die ländliche Bevölkerung gilt. FrauenrechtlerInnen werden jedoch lauter, Amnesty International und der Inter-Amerikanische Gerichtshof für Menschenrechte üben politischen Druck aus. 

AktivistInnen klären die Bevölkerung & Behörden auf. Die Organisation Population Council unterstütze insbesondere indigene Mädchen dabei, Netzwerke zu bilden, berufsrelevante Fähigkeiten zu erwerben und mehr über ihre Rechte zu erfahren. (4) Die Stiftung Kinderzukunft unterstützt mit einem Kinderdorf sowie Ernährungs- und Bildungsprojekten. (5) 

Es braucht mehr AnwältInnen, die die Interessen der Opfer verteidigen. Femizid bzw. Feminizid muss zudem als Straftatbestand anerkannt werden. 

Quellen:

(1) https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/gewalt-im-namen-der-ehre/schwerpunkt-fruehehen/laenderprofile/1786-guatemala (Aufruf: 29.11.2020, 11:28)

(2)https://www.amnesty.org/en/latest/news/2014/07/international-court-exposes-guatemalan-state-role-horrific-death-teenage-girl/ (Aufruf: 29.11.2020, 11:35)

(3) https://www.guatemala.de/Infos/Frauenmorde.html (Aufruf: 29.11.2020, 11:38)

(4) https://www.popcouncil.org/research/abriendo-oportunidades-opening-opportunities

(5) https://www.kinderzukunft.de/wie-wir-helfen/ernaehrungs-und-bildungsprojekte-in-guatemala.html

 

 

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1 Comment

  1. Femizid ist ein Ernst zu nehmendes Thema. Zu viele Frauen verschwinden in Süd Amerika einfach. Ein kurzer Aufschrei und dann ändert sich nichts. Deshalb gibt es nichts wichtigeres als Mädchen beizubringen, wie sie sich wehren können und Kinder generell für Gleichberechtigung zu sensibilisieren.

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