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Weder Mann noch Frau: Muxe

Einen Jungen zu bekommen, das galt in Mexiko lange ein Geschenk Gottes, umso mehr für die noch immer patriarchalisch geprägte Gesellschaft. In ganz Mexiko? Nein, ein kleines Dorf, Juchitán, leistet seit Jahrhunderten ideologischen Widerstand gegen das Patriarchat und erschuf sich seine Muxe. 

Töchter sind sanfter als Söhne. Sie kochen, sie sticken, tragen die Traditionen weiter und kümmern sich um die Eltern, wenn diese alt sind. Doch was tun, wenn man keine Tochter hat? Man schafft sich eine Muxe.

 

Eine Muxe, biologisch ein Junge, wird von der Gesellschaft – bzw. der Mutter – zur Frau gemacht. Die Muxe trägt Frauenkleider, sie dient der Mutter und weicht ihr ihr Leben lang nicht von der Seite. Sie wird nicht heiraten, hat keinen Partner und keine eigenen Kinder. Manchmal wird sie die Geliebte eines verheirateten Mannes. 

 

Bild einer Frau in Mexiko, Muxe

Muxe kleiden und schminken sich auffällig und ziehen Aufmerksamkeit auf sich

Man entscheidet sich nicht, Muxe zu werden, man wird zu einer Muxe gemacht.

Diese Tradition ist keinesfalls eine neuzeitliche Erscheinung, sondern geht wahrscheinlich schon auf die Zeit der Entdeckung Amerikas 1492 zurück. In der indigene Bevölkerung gab es schon damals Menschen, die nicht die traditionellen Rollenverteilung befolgten. Die Männer waren unterwegs, aber auch Frauen mussten manchmal als Händlerinnen oder Kriegerinnen das Haus verlassen. Dann kamen die Muxe ins Spiel: Söhne, die zuhause blieben und für Sicherheit sorgten.

Einer Legende zufolge kamen Männer, Frauen und Muxes gemeinsam auf die Erde. Eine Muxe ist folglich so etwas wie ein zusätzliches Geschlecht, kein Transgender. Homosexualität war zudem in vielen indigenen Gesellschaften nicht ungewöhnlich.

Es gibt auch weibliche Muxe, die eher Männern gleichen. Diese sind jedoch seltener und werden nicht wie ihr männliches Pendant verehrt.

Muxes sind keine Transgender

„Es gibt Männer, es gibt Frauen und es gibt eben Muxes“, erklärt der Erzähler in der Dokumentation 99media von Ivan Olita. „Sie vereinigen männliche Stärke und die weibliche Sensibilität.“ Die Muxes schlüpften in Frauenrollen ohne Frauen sein zu wollen. Immer wieder betonen sie, dass sie eben keine Frauen seien, sondern Muxes und das sei gemeinhin akzeptiert in Juchitán. Tatsächlich würden die Muxes heutzutage nicht mehr diskriminiert. Sie seien vielmehr Teil der Gesellschaft, eine Art Faszinosum. Männer reckten die Hälse, um einen Blick auf sie zu erhaschen und Frauen nähmen sie als ernstzunehmende KonkurrentInnen wahr, heißt es in der Dokumentation.

 

Juchitán de Zaragoa ist anders als andere Städte Mexikos: Die Gesellschaft ist stark matriarchalisch geprägt. Frauen seien sehr wichtig und arbeiteten sehr hart.

 

Vielleicht können Muxes sich daher sicherer fühlen als anderswo. In ihrer Entscheidung, weder ein traditioneller Mann noch eine traditionelle Frau zu sein, würden sie früh bestärkt, so 99media. Sie erhielten viel Aufmerksamkeit und man machte ihnen Komplimente. „Du verlässt dich auf die Gemeinschaft, die dich liebt und schätzt.“

Ein gelungenes Beispiel für mehr Toleranz und Offenheit? Was meint ihr?

 

Die ganze Dokumentation von 99media gibt es hier:

 

 

Quellen:

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/transsexualitaet-muxe-in-mexiko

https://lateinamerika-nachrichten.de/artikel/authentische-unerschrockene-gefahrsuchende/

https://www.99.media/de/manner-frauen-muxes-mexikos-drittes-geschlecht/

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